O&M–SCHULUNG

Unterweisung im Gebrauch des Blindenlangstockes

Blindheit oder eine hochgradige Sehbehinderung schränken die Fähigkeit zur selbständigen Orientierung und Fortbewegung in hohem Maße ein. Diese Schwierigkeiten fangen in der Wohnung an, werden aber spätestens mit der Teilnahme am Straßenverkehr so groß, dass eine Abhängigkeit von der Hilfe anderer entsteht. In dieser Informationsschrift wird ein Schulungsprogramm mit dem Langstock vorgestellt, das den blinden oder sehbehinderten Menschen in die Lage versetzen kann, sich als Verkehrsteilnehmer gezielt selbständig und sicher fortzubewegen.

Was ist das Ziel?

Ziel der Schulung in Orientierung und Mobilität (O&M) ist es, Blinde und hochgradig Sehbehinderte im Gebrauch des weißen Langstockes so auszubilden, dass sie diesen als Verkehrsschutzzeichen und als Orientierungshilfe einsetzen können, um so die durch Blindheit oder Sehbehinderung bedingte Mobilitäts- und Orientierungsbeeinträchtigung so weit wie möglich auszugleichen.

Wer kann Teilnehmen?

Jeder blinde oder sehbehinderte Mensch, der die notwendige Motivation mitbringt, kann an der Schulung teilnehmen. Dabei gibt es keine Altersgrenzen.

Schulungsinhalte

Blinde und Sehbehinderte erfassen die Umwelt in völlig anderer Weise als Sehende und setzen hierfür vorwiegend den Langstock ein. Die Schulung umfasst deshalb weit mehr, als die reine Vermittlung der Stocktechniken.

Schutz des eigenen Körpers

Ein Schwerpunkt ist das Erlernen verschiedener Techniken im Gebrauch des weißen Langstockes. Dieser etwa bis zum Brustbein reichende Stock (daher die Bezeichnung Langstock im Vergleich zum Stütz-, Krück- oder Taststock) wird beim Gehen rhythmisch vor dem Körper hin und her gependelt. Der Langstock ist stets einen Schritt voraus und zeigt somit Gefahren oder Orientierungspunkte rechtzeitig an (z.B. Bordsteinkanten, Treppen, Absperrungen, Ampelpfosten u. a. Hindernisse). Die Übungen zum Schutz des eigenen Körpers beginnen jedoch mit der Vermittlung von Bewegungsabläufen, die helfen, sich auch ohne Langstock in Räumen oder Gebäuden oder mit Hilfe einer sehenden Begleitung sicher fortzubewegen. Um ein sicheres, gemeinsames Gehen zu ermöglichen werden hier auch die Angehörigen mit einbezogen.

Verbesserung grundlegender Orientierungsfertigkeiten

Gefördert werden sollen Körperbewusstsein, Zeitgefühl, Raumvorstellung (Aufbau einer "geistigen Landkarte"), ebenso wie der Umgang mit Passanten und das Erfragen von Informationen.

Sensibilisierung der übrigen Sinne

Ziel einer intensiven Sinnesschulung ist es, möglichst viele Umweltinformationen auch ohne Sehvermögen bewusst wahrzunehmen, sie richtig zu interpretieren und daraus ein situationsentsprechendes Verhalten für sich als blinder oder sehbehinderter Verkehrsteilnehmer abzuleiten.

Vermittlung des Langstockeinsatzes in unterschiedlichen Umweltsituationen

Um die Informationen, die das Hilfsmittel Langstock dem Benutzer übermittelt, richtig auswerten zu können, müssen verschiedene Umweltsituationen zunächst erarbeitet werden, was die Erschließung ähnlicher Örtlichkeiten erleichtern kann. Bei Personen, welche die Grundstrukturen der Umwelt nicht kennen, müssen hierzu zunächst umfassende Kenntnisse aufgebaut werden (z.B. der Aufbau eines Hauses, einer Straße mit beidseitigem Gehweg, die Struktur einer Straßenkreuzung, einer Bus- oder Straßenbahnhaltestelle oder eines Kaufhauses).

Optische Hilfsmittel

Dies ist der zielgerichtete Gebrauch optischer Sehhilfen (Monokular, Lupe, Kantenfiltergläser).

Optimale Ausnutzung des vorhandenen Sehvermögens

Sehbehinderte lernen bestimmte Suchtechniken, um das vorhandene Sehvermögen einzusetzen, auch wenn sie nicht mehr in der Lage sind optische Hilfen zu benutzen.

Analyse des Verkehrsgeschehens

Verkehrsabläufe und sich daraus ergebende Gefahren sollen erkannt und beurteilt werden, so dass ein sicheres Fortbewegen im Verkehr möglich ist.

Ergänzende Hilfsmittel

Der Gebrauch elektronischer Hilfsmittel kann zusätzlich zum weißen Langstock vermittelt werden. Auch ist die Schulung in vielen Fällen eine wichtige Voraussetzung für das spätere Gehen mit dem Blindenführhund.

Wie ist die Praxis?

Nach dem Erlernen der Körperschutztechniken und Orientierungsfertigkeiten beginnt die Unterweisung im Gebrauch des Langstockes meist in einem Gebäude. Danach folgt die Benutzung des Langstockes in einem ruhigen Wohngebiet - meist die eigene Wohnumgebung - dann in einem Einkaufsviertel mit Fußgängerzone, schließlich in der Innenstadt mit ampelgeregelten Kreuzungen und bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Dazu kann es notwendig sein, tastbare Pläne oder Modelle eines bestimmten Gebietes zu benutzen oder andere Medien einzusetzen. Der Umfang und die Ziele einer Schulung werden individuell auf den Bedarf abgestimmt.

Wo findet die Schulung statt?

Der Unterricht kann Mein Tätigkeitsgebiet umfasst Halle / Saale und Sachsen-Anhalt.